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Gleich zu Beginn der Einführung gibt Freud dem Narzissmus eine recht prominente Rolle: er sei eine der Grenzen der Beeinflussbarkeit durch die Psychoanalyse. Und er kommt zu der Auffassung, dass Narzissmus nicht nur eine Perversion, sondern auch einen Aspekt der normalen psychischen Entwicklung darstellt: die libidinöse Ergänzung zum Egoismus des Selbsterhaltungstriebs. Freud unterscheidet deshalb zwischen einem primären und einem sekundären Narzissmus, wobei er als sekundären jenen nennt, der durch den Abzug der Objektlibido und die Zuführung dieser libidinösen Beträge zum eigenen Ich entsteht, der also – er nennt hier das Beispiel der Schizophrenie – krankhaft ist.

Schließlich folgern wir für die Unterscheidung der psychischen Energien, dass sie zunächst im Zustande des Narzissmus beisammen und für unsere grobe Analyse ununterscheidbar sind und dass es erst mit der Objektbesetzung möglich wird, eine Sexualenergie, die Libido, von einer Energie der Ichtrieb zu unterscheiden.

Es ist eine notwendige Annahme, dass eine dem Ich vergleichbare Einheit nicht von Anfang an im Individuum vorhanden ist; das Ich muss entwickelt werden. Die autoerotischen Triebe sind aber uranfänglich; es muss also irgendetwas zum Autoerotismus hinzukommen, eine neue psychische Aktion, um den Narzissmus zu gestalten.


Sigmund Freud, Zur Einführung des Narzissmus